Taekwondo & Geschichte


Taekwondo ist eine Form der waffenlosen Kampfkunst, deren Ursprung in dem menschlichen Selbsterhaltungs- und Selbstvereidigungstrieb gesehen wird.
In prähistorischer Zeit war die körperliche Fitness Voraussetzung für das Überleben. Entscheidend war aber nicht immer die reine Muskelkraft!
Gewandtheit und der angemessene Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel bestimmten häufig den Siegt. So entwickelten sich im Laufe der Zeit eine Vielzahl verschiedener Kampfsysteme, die durch Kultur und Gesellschaft des Umfelds geprägt wurden. Bezogen auf Korea, finden sich schon frühzeitig
Hinweise, die auf den Ursprung von Taekwondo hinweisen. Interessant in Bezug auf Taekwondo ist erstdie Zeit der drei Königreiche Silla (57 v. Chr. — 935 n. Chr.), Goguryeo (37 v. Chr. — 668 n. Chr.) und Baekje (18v. Chr. — 660 n. Chr.), gefolgt durch die Goryco-Dynastie (918 — 1392) und die Yi-Dynastie(1392— 1910). Die Annexion durch Japan stellt ein eigenes Kapitel in der koreanischen Geschichte dar und endete mit der Gründung der Republik Korea 1948.

Geschichtlich gesehen war das Königreich Goguryeo, bedingt durch seine geografische Lage im Norden der koreanischen Halbinsel, frühzeitig gezwungen gewesen, kämpferisch aktiv zu werden, um seine Grenzen gegen einfallende Chinesen zu verteidigen. Sie waren als Volk aggressiver als die benachbarten Königreiche Silla und Baekje und hatten ein eigenes militärisches System.
Krieger genossen hohes Ansehen und wer die waffenlosen Künste beherrschte, hatte die Möglichkeit in der Armee oder im Staat eine höhere Position zu bekleiden unabhängig von seinem Geburtsrang. So entwickelten sich auf natürliche Weise Angriffs- und Abwehrtechniken, die anfangs Bewegungen und Verhaltensweisen der Tiere kopierten und dann verfeinert wurden. In der Literatur und auf Wandmalereien alter Gräber findet man Hinweise auf Taekyeon, eine Vorform von Taekwondo.

Das Königreich Silla im Südosten der koreanischen Halbinsel war Anfangs keiner unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt. Die Notwendigkeit einer Armee und damit der Entwicklung der Kampfkünste ergab sieh erst mir dem zunehmendem Expansionsdrang von Goguryeo.
Letztlich schaffte Silla es alle drei Königreiche zu einigen. Im Zuge des Aufbaus des geeinigten Königreichs übernahm Silla viele Aspekte des militärischen Bereichs, unter anderem auch die verschiedenen Kampftechniken von Goguryeo.
Das Silla dieser Zeit war einem starken buddhistischen Einfluss ausgesetzt, der sich auch im Bereich der Kampfkünste bemerkbar machte. Der Inhalt dessen was den heutigen Geist von Taekwondo ausmacht kann auf die buddhistische Lehre zurückgeführt werden.
Die Grundbewegungen, sowie Hand- und Fußtechniken von Taekyeon wurden in der nachfolgenden Goryeo-Dynastie systematisch und weiter verfeinert.
Taekyeon war sogar Bestandteil der Prüfung für einen militärischen Rang. Inder Anfangszeit, als das Land noch instabil war, reichte die Beherrschung der Kampfkunst schon aus, um so der Armee Karriere machen zu können. Es finden sich Hinweise, dass Wettkämpfe mit Schiedsrichtern stattfanden, was auf eine relative Systematisierung von Taekyeon hinweist.
Mir der Einführung von Schusswaffen erlahmte allerdings das Interesse und Taekyeon wurde eher zur Belustigung auf Volksfesten praktiziert.
In der Moderne mit Beginn der Yi-Dynastie übernahm der Konfuzianismus die führende Rolle in der Gesellschaft. Buddhistische Feste (bei denen Mönche ihre Kampfkünste demonstrierten) verloren zunehmend an Bedeutung. Der große Wert, der im Konfuzianismus auf Literatur und Gelehrtheit gelegt wurde, führte zu einer Vernachlässigung der Kriegerkaste.
Auch wenn die Annalen von Wettkämpfen berichten, die sich nicht nur beim einfachen Volk sondern auch im Königshaus großer Beliebtheit erfreuten, wurde die Kampfkunst als Verteidigungsmaßnahme von militärischer Bedeutung weitgehend ignoriert.
Erst mit dem Einfall der Japaner 1592 besann man sich wieder auf den Wert einer systematischen militärischen Ausbildung und der körperlichen Ertüchtigung. Bemerkenswert ist, dass zu dieser Zeit ein Buch mit Illustrationen zu Kampfkünsten veröffentlicht wurde. Die im Kapitel „Handkampf Techniken“ beschriebenen 38 Bewegungen ähneln den heutigen Taekwondo Poomsae in erstaunlichem Maß.
Unter der japanischen Besatzung von 1910 bis 1945 bestand ein Teil des Unterdrückungsapparates der Besatzer darin, alles traditionell Koreanische zu verbieten. Taekwondo-Techniken konnten nur heimlich geübt und weitergegeben werden. Taekwondo-Meister liefen Gefahr verhaftet zu werden, was dazu führte, dass der Sport bei der Allgemeinheit mehr oder minder in Vergessenheit geriet.
Die Befreiung von der Besatzungsmacht nach Ende des Zweiten Weltkriegs führte zu einer Wiederbelebung folkloristischer Spiele und Taekwondo gewann erneut an Bedeutung.
Nach Ende des Koreakrieges (1950— 1953) wurden nicht nur im ganzen Land, sondern auch in aller Welt Taekwondo Schulen gegründet, die diesen Kampfsport international verbreiten. 1971 wurde Taekwondo offiziell als nationale Kampfkunst anerkannt, worauf 1972 das heutige Kukkiwon gegründet wurde.
Im Folgejahr wurde der World Taekwondo Federration mit zur Zeit 179 Mitgliedsstaaten ins Leben gerufen. Es folgte die Anerkennung als offizielle Sportart der Asian Games 1974. 1980 wurde Taekwondo als Sportart für die Olympischen Spiele anerkannt.